Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in dem Maßnahmenraum Untermainebene




gefördert durch das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
vertreten durch das Regierungspräsidium Darmstadt

Informationsbrief
N-Düngung im Frühjahr 2019

Das Jahr 2018 war außergewöhnlich trocken und geprägt von vielen regionalen Wetterrekorden. Die langanhaltende Trockenheit bis in den Spätherbst führte zu teils erheblichen Mindererträge bis hin zum Totalausfall bei Mais. Der durchschnittliche Sommerniederschlag in Hessen lag bei ca. 90 l/m² (langjähriges Mittel 222 l/m²). Zwischenfrüchte und W-Raps wurden deshalb selten ausgesät und entwickelten sich unterdurchschnittlich.

Zum derzeitigen Stand:

Die bis jetzt gemessenen Nmin-Werte liegen im Vergleich zu den Vorjahren im oberen Bereich. Dies ist auf die Witterung in 2018 (sieh oben) mit hohen Rest-Nmin-Werten und auf die geringen Niederschläge im Winter zurückzuführen. Die Flächen im Maßnahmenraum Untermainebene sind größtenteils nicht wassergesättigt und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass die Pflanzen den im Boden vorhanden Stickstoff noch aufnehmen können. Dementsprechend schwierig gestalten sich die diesjährigen N-Düngeempfehlungen. Die Getreidebestände sind größtenteils gut entwickelt. Dies ist auf die milden Temperaturen im November-Februar verbunden mit den Winterniederschlägen, sowie die guten Bestellbedingungen durch überaus gute Befahrbarkeit zurückzuführen. Die N-Düngebedarfsermittlung (DBE) werden in diesem Jahr verhältnismäßig niedrige Werte ergeben. Dies wird eine besonders angepasste Gabenteilung erfordern.

Nmin-Werte Herbst 2018,
Maßnahmenraum Untermainebene nach HF 2018

Bei den gegebenen Düngeempfehlungen handelt es sich um Orientierungswerte. Liegen die gemessenen Nmin-Werte auf Ihren Flächen höher, so sind entsprechende Abzüge zu berücksichtigen, um den mit der DBE errechneten Düngebedarf nicht zu überschreiten. Die DBE gibt die absolute Höchstmenge an, die auf keinen Fall über-, eher unterschritten werden soll. Ebenso sollte auf Flächen mit langjähriger organischer Düngung ein Abzug vorgenommen werden, da hier mit einer erhöhten Nachlieferung aus den Bodenvorräten zu rechnen ist. Bei den Ertragserwartungen sollte aufgrund der unvollständigen Wassersättigung und der teilweise ungünstigen Fruchtfolgegestaltung (z.B. Gerste nach Gerste) nicht von einer normalen Ausgangssituation ausgegangen, sondern Korrekturen nach unten in Betracht gezogen werden. Hier spielt auch die Pflanzengesundheit eine entscheidende Rolle für eine gute Stickstoffausnutzung. Getreideselbstfolgen sind hier negativ zu bewerten, da das Risiko für Halmbasiserkrankungen und Wurzelerkrankungen enorm ansteigt. Gefördert wurde dies nicht zuletzt auch durch die milden Temperaturen bis weit in den Herbst hinein, welche insbesondere eine Infektion mit Schwarzbeinigkeit begünstigt haben könnte. In solchen Fällen sind realistische Ertragserwartungen zugrunde zu legen, denn nur ein intaktes, gesundes und weit verzweigtes Wurzelwerk kann genügend Nährstoffe für hohe Erträge aufnehmen. Für die Bemessung der Höhe der Startgaben zu Wintergetreide spielen in diesem Jahr die mit der DBE ermittelten Spielräume eine entscheidende Rolle.

Erste Nmin-Werte Frühjahr 2019,
Maßnahmenraum Untermainebene sortiert nach HF 2019

Insgesamt sollten in diesem Jahr keine überzogenen Düngergaben verabreicht werden. Eine angepasste Startgabe zur Sicherstellung des Nährstoffangebots in der oberen Bodenschicht sollte angestrebt werden. Besonders vor dem Hintergrund der knappen Wasserversorgung ist von einer zügigen Wurzelentwicklung auch in den tieferen Bodenschichten auszugehen, auch gefördert durch die aktuell sehr milden Tageshöchsttemperaturen. Dies zeigt sich auch derzeit schon an den Nmin-Werten unter Raps und Wintergerste. Hier ist anhand der Nmin-Werte schon eine Wurzelentwicklung und nennenswerte Stickstoffaufnahme bis in 60cm Tiefe festzustellen. Die Niederschlagsmengen im Verlauf der Vegetationsperiode werden über Wohl und Wehe des Anbaujahres 2019 entscheiden. Die Winterniederschläge im Bereich um 150 mm haben auf den besseren Standorten nicht für eine Auffüllung der Wasserspeicherkapazität der Böden bis in 1m Tiefe ausgereicht. Dieses Bild haben auch die Bodenuntersuchungsergebnisse gezeigt. Auf schwächeren Standorten konnte aufgrund der geringeren Wasserspeicherkapazität eine Auffüllung des Bodenvorrates einigermaßen erreicht werden. Diese Standorte sind jedoch bekannter Weise ebenso auf eine gleichmäßige Niederschlagsverteilung über die Vegetationsperiode angewiesen. Daher erscheinen viele Maßnahmen zur Verbesserung der Wassernutzung in diesem Jahr sinnvoll. Beispielweise kann durch einen Striegeleinsatz im Wintergetreide die Kapillarität der Bodenoberfläche unterbrochen werden und die unproduktive Verdunstung reduziert werden. Hierbei ist die bestockungsfördernde Wirkung ebenso zu berücksichtigen, wie die zusätzliche Stickstofffreisetzung infolge der besseren Bodendurchlüftung. Auch eine Förderung des Wurzelwachstums ist mit dieser Maßnahme oder alternativ durch den Einsatz einer Cambridgewalze zu erreichen. Auch eine ammoniumstabilisierte Düngung kann das Wurzelwachstum fördern, da die Pflanzenwurzel aufgrund der geringeren Beweglichkeit von Ammonium im Boden zum Nährstoff hinwachsen muss. Im Vergleich dazu wird das leicht im Boden bewegliche Nitrat mit dem Wasserfluss zur Wurzel transportiert. Die Höhe der Startgabe sollte sich an der aktuellen Bestandesentwicklung orientieren. Schwach entwickelte, spät gedrilltes Getreide kann mit 50 kg N/ha angedüngt werden. Eine 2. Gabe kann mit ca. 40 kg N/ha erfolgen. Im Hinblick auf die fragliche Wasserversorgung in 2019 und die monetäre Vergütung von Qualitätsweizen kann in den meisten Fällen auch auf die 3. Gabe verzichtet und die N-Versorgung in der 1.+2. Gabe bedarfsgerecht erfolgen. Die Stoppelgetreidebestände können mit 50 kg N/ha angedüngt werden. Eine 2. Gabe kann nach Beobachtung der Bestände dann im Stadium 30 mit 40 kg N/ha eingeplant werden. Ganz wichtig ist diesem Jahr wieder, die Schwefelversorgung der Getreidebestände mit mind. 30 kg S/ha sicher zu stellen. Auf eine ausreichende Schwefelversorgung sollte auch hier geachtet werden. Der Bedarf von ca. 40 kg S/ha kann dieses Jahr nur schwer über N-haltige Düngemittel gedeckt werden und sollte über andere schwefelhaltige Düngemittel appliziert werden. Es sollte berücksichtigt werden, dass mit überzogenen Stickstoffgaben der Vegetationsrückstand des Raps nicht vollständig aufgeholt werden kann. Viel entscheidender wird sich der Witterungsverlauf auf die Entwicklung auswirken.Die W-Gerstenbestände präsentieren sich überwiegend gut. Eine Andüngung sollte mit 40 kg N/ha erfolgen. Eine 2. Gabe kann zum Schossen mit ca. 40 kg N/ha bei einer diesjährigen Ertragserwartung von 65 dt/ha erfolgen. Bei der Wintergerste bietet sich auch eine einmalige stabilisierte Gabe von ca. 80 kg N/ha an. Besonders in gut entwickelten Beständen kann hiermit durch die langsamere Verfügbarkeit infolge der Stickstoffstabilisierung einem Überwachsen des Bestands besser vorgebeugt werden. Bei schwachen Beständen, in denen noch eine Bestockung notwendig ist, sollte besser mit nitrathaltigen Düngern die Bestockung angeregt werden. Die Winterrapsbestände präsentieren sich relativ schwach. Bei einer Ertragserwartung von 35 dt/ha und unter Berücksichtigung der Nmin-Werte sollte eine Andüngung mit 60 kg N/ha und eine 2. Gabe mit 50 kg N/ha erfolgen. Bei Raps bietet sich auch eine einmalige stabilisierte Gabe mit 110 kg N/ha an. Zur Überprüfung der Verteilgenauigkeit Ihrer Düngerstreuer können wir Sie mit Streuschalen und Matten unterstützen. Zur Bestimmung der Spätgabe oder bei Unsicherheiten der Stickstoffversorgung bieten wir schlagspezifische Chlorophyllmessungen an. Dies wird in diesem Jahr besonders wichtig sein. Bitte sprechen Sie uns bei Bedarf an.

Ansprechpartner ZWO:
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Ansprechpartner LLH:
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